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Projekt Schwarze Wasser 

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Liebe AngelfischerInnen,

in dieser Ausgabe möchte ich eine Facette des Gewässerschutzes vorstellen, die sicherlich dem Gros der Bevölkerung völlig neu sein dürfte. Saubere Fischwasser sind Trinkwasser! Bei einem weltweit rasenden „Menschheitswachstum“ muss man sagen, Gott sei Dank, dass noch relativ unbelastete Süssgewässer tief unter der Erde schlummern. Aber, um sie als Trinkwasser nutzen zu können, müssen diese erst einmal entdeckt werden. Folgen Sie mir also bitte jetzt in meinem Aufsatz ins  

Schwarze Wasser

Die Welt um uns herum ist größtenteils erforscht. Sogar in die Tiefen der Meere und in die Leere des Weltalls sind wir Menschen vorgedrungen, um mehr über das All, die Erde und damit letztlich über uns selbst zu erfahren. Seit geraumer Zeit haben wir damit begonnen hinabzusteigen in die ewige Nacht der Grotten und Höhlen, um im Schwarzen Wasser zu forschen und neue Trinkwasserreservoire zu erkunden. Denn, sauberes Wasser ist nicht beliebig vermehrbar, bei der ständig wachsenden Erdbevölkerung wird Trinkwasser vielleicht schon bald ein Problem! Und, Gewässerschutz hört noch lange nicht beim Tageslicht auf. Höhlen, deren Gänge von Wasser durchflutet werden, sind für die Technik kein Problem. Um so mehr jedoch für die Psyche des Forschers der sich in  die Labyrinthe hineinwagt. Gunnar Förg schildert seine Erlebnisse und Ängste.

Meine aktive Zeit der Höhlenforschung liegt schon zig Jahre zurück. Damals gab es noch keine Spezialkurse zum Höhlentauchen. Der Autodidakt war gefragt. Heute besuche ich wasserführende Höhlen aus Gründen des Naturschutzes wenn überhaupt, nur zur Bestimmung der verschiedenen Bioindikatoren, falls welche vorhanden. Meines Erachtens gibt es nämlich keinen vernünftigen Grund, diese eigene Welt leichfertig zu stören! Der Mensch muss nicht überall seine vorwitzige Nase hineinstecken um Spuren der Vernichtung zu hinterlassen! Das hat er schon gründlich an vielen Korallenriffen, in den Regenwäldern oder den Meeren getan. Eigentlich wollte ich nie ins Schwarze Wasser, wurde jedoch aufgrund meiner fotografischen Kenntnisse von meinem Freund Sven, sagen wir einmal, „hineingelobt“! Er machte den Vorstoß, manchmal bis zu 60 Meter tief in irgendwelche Schächte, ich hatte die vornehme Aufgabe des Lichtbildners und der cineastischen Dokumentation dieses „Schwachsinns“. Unter der Erde finden sich kristallklare Seen genauso wie quellklare Flüsse. In einigen von ihnen trafen wir sogar Hechte, wenn das Wasser über Spalten mit der Erdoberfläche verbunden war. Was hatte ich in dieser Zeit die Hosen, äh den Tauchanzug gestrichen voll. Die Angst bestimmte jedes Mal mein Leben und ich starb tausend Tode, wenn ich wie das personifizierte Elend in unbeschreiblicher Schwärze auf Sven manchmal über eine Stunde wartete, schickte Stoßgebete zum Himmel, er möge wieder kommen, da ich ohne ihn aus der Höhle wahrscheinlich nicht mehr herausfinden würde. Natürlich ging bei Svens Unternehmungen nicht immer alles glatt. Es war im Sommer, ich saß gerade beim Tee auf dem Balkon als Sven läutete. Er wirkte ungewöhnlich niedergeschlagen, verlangte nach Schnaps, am besten eine ganze Flasche voll!? Sven trank so gut wie nie! Wir saßen uns gegenüber als er erzählte: Ich war mit Bernd in einer Höhle, er kam nicht zur vereinbarten Zeit zurück! Er ist tot! Mit 18 Jahren nur fünf Meter vom Höhleneingang entfernt blieb sein junges Herz vor Stress stehen, als er gemerkt haben muss, dass er seinen Führungsdraht verloren hatte.......

Dunkelheit, Stille, riesige Hallen, endlose Gänge, Tropfenfall, Wasserföhren, Beklemmung, Einsamkeit. Die Welt der Höhlen. Eine Welt für sich tief unter der Erdoberfläche. Für viele hat sie etwas Abstoßendes. Das Gefühl absoluten Verlassenseins, das Erlebnis der Finsternis, das Spüren eingeschlossen zu sein – ist nicht jedermanns Sache. Unbedingte Voraussetzung für das Höhlentauchen in unseren Breiten ist eine positive Einstellung zu Kälte, totaler Finsternis und räumlicher Enge. Wer zur Platzangst neigt, hat in einer Höhle nichts verloren. Der Punkt um den sich alles dreht, ist eine solide psychische Konstitution. Höhlen gibt es in allen Erdteilen. Sehen wir von  einigen Ausnahmen ab, dann sind sie an Kalkstein gebunden. Und damit sich in der Kalklandschaft Höhlen bilden können, muss der Prozess der Verkarstung eingesetzt haben. Das Wasser rinnt also nicht mehr über die Erdoberfläche ab, sondern bahnt sich seine Wege durch die Tiefe der Gesteinsschichten. Höhlen sind also im wesentlichen ein Produkt des Wassers. Wenn dieses nicht weiter in das Gestein hineinsickert, sondern Gänge und Hohlräume auffüllt, bedeutet es das Ende , die Grenze für herkömmliche Höhlenbefahrungen.  Solche Unternehmungen sind in der Regel Teamarbeit. Im Gegensatz zum Höhlentaucher der als Einzelkämpfer völlig auf sich alleine gestellt  ins Ungewisse vordringt .  Höhlentauchen birgt mehr Risiken als jede andere Disziplin des Tauchens. Immer wieder kommt es zu tödlichen Unfällen, wobei mangelnde Erfahrung und Selbstüberschätzung die Hauptursachen sind. Bei der Obduktion stellt sich dann oft heraus, dass der Tod durch Ertrinken trotz genügend Luft im Gerät eingetreten ist. Die Nerven haben versagt. Tatsächlich kann man sich kaum eine andere Situation vorstellen, die besser geeignet wäre, Panik hervorzurufen als das Tauchen in einer Höhle: Du schwimmst in einen Siphon, es ist breit, du kannst den Eingang noch sehen, keine Probleme. Früher oder später kommt dann die Stunde der Wahrheit. Der Gang verengt sich, deine Ellenbogen haben links und rechts Felsberührung, die Schultern passen kaum noch durch den Gang, der Lichtkegel, der die pechschwarze Dunkelheit durchschneidet, reflektiert sich an den Millionen Schwebeteilchen, die Du aufwirbelst, zur Bedeutungslosigkeit. Das Ganze ist bald nicht mehr Tauchen, sondern Vorantasten, Vorankriechen, Schinderei unter Wasser. Wehe, die Atemfrequenz, der Pulsschlag gerät außer Kontrolle! „Die Höhlengeister haben ihn geholt“, wird es später im Fachjargon heißen. Höhlengeister hat unser modernes Denken zwar aussterben lassen aber Gespenstisches gibt jeder neu erschlossene Meter her. Die Anspannung fällt für kurze Zeit ab, wenn man in einer geräumigen Höhle, in einem Dom, den Kopf durch den Wasserspiegel steckt. Der Scheinwerferkegel huscht über Tropfsteine und Sinterterrassen, die wie zerlaufener Kuchenteig aussehen. Manchmal kommt auch nur nacktes Geröll zum Vorschein, hinter dem sich irgendwo ein neuer Gang, eine neue Herausforderung auftut.  Bei uns findet man wasserführende Höhlen vorwiegend in Franken, in der Schwäbischen Alb und in den Alpen. Sie haben aber alle einen großen Schwierigkeitsgrad. Als Faustregel in der Höhlenforschung gilt, nur ein kurzes Stück hineintauchen, sich mit der Umgebung vertraut machen, wieder umkehren. Das nächste Mal kann man dann ein weiteres Stück erforschen. Von zentraler Bedeutung ist die penible Einteilung der Luft: Ein Drittel für den Vorstoß, zwei Drittel für den Weg zurück. Verkalkuliert man sich, gibt es absolut keine Alternative mehr, dieser Fehler war der letzte!

Gunnar Förg