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Gewässerexperte  Gunnar Förg  besorgt über Vorrücken der Kamberkrebse

Tickt im Förrenbachstausee bei Happurg/Mittelfranken eine biologische Zeitbombe?

Fischzüchter Max von dem Borne holte 1890 einhundert Tiere aus Pennsylvania

 HAPPURG, eigener Bericht – Kaum ist der europäische Edelkrebs dank angelfischereilicher Besatzmaßnahmen in Mittelfränkischen Gewässern wieder angesiedelt, droht ihm neues Unheil. Sein vor über hundert Jahren eingebürgerter Verwandter, der Amerikanische Fluss – bzw. Kamberkrebs, ist in Mittelfranken möglicherweise auf dem Vormarsch. Im Förrenbach dem Förrenbachstausee als auch im Bereich des Bacheinrinners trifft man regelmäßig welche. Dringen die Amerikaner in die Wohngebiete des Edelkrebses ein ist zu erwarten, dass die Edelkrebse verdrängt werden, warnt Gewässerkundler Gunnar Förg.

Seit einigen Jahren werden die bei uns in Freiheit fast nahezu ausgestorbenen Edelkrebse wieder gezielt in geeignete Gewässer eingesetzt. Entweder durch absoluten Neubesatz oder zum stützen noch vorhandener Restbestände. Eigentlich hätten die Scherenträger, dank weitläufig verbesserter Wasserqualität jetzt gute Chancen. Aber da taucht am Horizont Unheil auf. Schon einmal, um die Jahrhundertwende machten Einbürgerungsversuche den heimischen Edelkrebsen arg zu schaffen. Damals gab es ihrer noch so viele, dass man bei einem Edelkrebsgericht gar von einem Armeleuteessen sprach. Doch dann wurde der Erreger der Krebspest, der Fadenpilz Aphanomyces astaci mit fremden Krebsen in die europäischen Gewässer eingeschleppt. Der zu dieser Zeit bekannte Fischzüchter Max von dem Borne trug seinen Teil zum Unglück bei, als er im Jahr 1890 einhundert Kamberkrebse aus Pennsylvania holte. Einige von ihnen entkamen ins Freiwasser und breiteten sich unaufhaltsam aus. Eine ungeheuerliche Tiertragödie begann! In der Seuchenlehre gibt es kaum ein zweites Beispiel für ein derart umfassendes Massensterben, das sich über einen ganzen Kontinent erstreckte. Binnen weniger Wochen gingen die Krebsbestände vieler europäischer Flüsse zugrunde. Was übrig blieb waren lediglich vereinzelte Restbestände, weiter bedrängt vom Galizischen Sumpfkrebs, dem Signalkrebs und dem Kamberkrebs. Und der hat jetzt bei Happurg/Mittelfranken im Stausee und dem Förrenbacheinrinner Fuß gefasst. Das ist umso erstaunlicher, da der Förrenbach gerade einmal 10° Celsius warm wird. Ein Lebensraum, den Kamberkrebse in der Regel eigentlich meiden. Zwar bleiben die Amerikaner was den Körperbau angeht deutlich kleiner als der Edelkrebs. Dafür sind sie aber wesentlich aktiver und vor allem fruchtbarer. Schlüpfen die Nachkommen beim Edelkrebs erst nach 5 bis 6 Monaten, geschieht dies beim Kamberkrebs bereits nach sechs Wochen! Es wäre nun völlig falsch die Kamberkrebse zu verteufeln. In ihrem angestammten Lebensraum erfüllen sie die ihnen von der Natur zugedachten Aufgaben genauso wie der Edelkrebs. Da aber der Förrenbachstausee über einen weitern Bach und einen Auslauf zu anderen Fließgewässern vernetzt ist, werden sie unter Umständen eines Tages für die heimischen Edelkrebse wieder zur Gefahr.

Gunnar Förg